Auf der Flucht

Ein Mandant wurde mit einem Haftbefehl gesucht. Er entschied sich dafür, sich nicht verhaften zu lassen, sondern unterzutauchen. Trotzdem bedeutet Untertauchen nicht, dass anwaltlicher Rat nicht mehr gebraucht wird. Im Gegenteil. Also bin ich wunschgemäß zu einem konspirativen Treffen ins Versteck des Mandanten angereist. Das Versteck war etwa 100 Kilometer von unserem Büro entfernt und wurde mir während der Fahrt beschrieben. Während der Zeit der Flucht verdingte der Mandant sich in einer KfZ-Werkstatt eines Freundes als (natürlich schwarz arbeitende) Aushilfe.

Furchtbare Juristen, Band 2: Augsburg

Heute will ich von einem unerträglichen Verfahren gegen den Augsburger Strafverteidiger Stephan Lucas berichten, welches sich derzeit vor dem Landgericht Augsburg ereignet. In dieses Verfahren bin ich glücklicherweise nicht involviert. Aber allein das, was ich durch die Berichterstattungen in den Medien sowie einer Stellungnahme seines Verteidigers Bockemühl anläßlich einer Fortbildungsveranstaltung weiß, bringt mich regelrecht zur Weißglut.

Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis

…so lautet der Titel einer Sat1-Schmonzette, für die derzeit kräftig die Werbetrommel gerührt wird. Es handelt sich dabei um die Verfilmung des Schicksals eines im Jahr 2007 17-jährigen Schülers aus Deutschland, dem während eines Türkei-Urlaubs der Vorwurf des sexuellen Mißbrauchs an einer 13-jährigen gemacht und der aufgrund dessen in Untersuchungshaft genommen wurde. Nach eben diesen 247 Tagen erfolgte die Freilassung. Die Geschehnisse sorgten seinerzeit in der deutschen Öffentlichkeit für ziemliche Empörung und Aufsehen.

Die Buchhaltung von Inkasso Moskau

Alles muss seine Ordnung haben. Auch bei der Firma “Inkasso Moskau”. Erst recht dort!

Da finde ich mich in einem Zivilprozess wieder, in dem eine Dame das Honorar für einen Auftragsraub zurückfordert, nachdem dieser fehlgeschlagen ist. Immerhin ein paar tausend Euro war es ihr wert, meinen Mandanten mit der Organisation einer druckvollen Inkassotätigkeit zu beauftragen. Ein ehemaliger Schwiegersohn schuldete ihr einen sechsstelligen DM-Betrag und weigerte sich zu zahlen. Er war auch nicht mehr in Deutschland, sondern in der Schweiz. Die Dame wusste um angebliche Kontakte meines Mandanten in ein bestimmtes Millieu und zahlte ein hübsches Sümmchen dafür, dass ein paar bös dreinschauende Männer sich in die Schweiz aufmachen und bei dem Ex-Schwiegersohn anklingeln sollten.

Magath schweigt zu Vorwürfen – sehr richtig, aus seiner Sicht!

Heute sollte Felix Magath zur Aufsichtsratssitzung meines geliebten Fussballvereins Schalke 04 erscheinen und sich unter anderem zu bestimmten Vorwürfen rechtfertigen. Er tat dies nicht, sondern blieb der Sitzung fern.

Sehr richtig! Denn es geht, so hört man, um Vorwürfe formeller Natur, die ihm im Ergebnis, wenn die Vorwürfe zutreffen, seine ihm ansonsten zustehenden Gehaltsansprüche oder eine Abfindung zumindest gefährden könnten. Warum ist es also aus Sicht Magaths richtig, sich dieser Befragung zu entziehen? Wäre es nicht schlauer, sich zu erklären und zu rechtfertigen, damit die Dinge aufgeklärt werden? Die Antwort ist ein klares Nein!

Auch mal Opfer sein

Mit Fug und Recht kann ich behaupten, jede Perspektive in einem Strafprozess schon selbst einmal erlebt zu haben. In der Ausbildung lernt man die Richterbank kennen und darf auch mal eine Vernehmung führen. Referendare werden in kleinen Strafsachen gerne als Staatsanwälte eingesetzt, dieses Vergnügen hatte ich seinerzeit in der Referendarausbildung auch. Sogar Angeklagter war ich schonmal, genauer “Betroffener”, wie es im Ordnungswidrigkeitenverfahren heisst, weil ich angeblich mit dem Auto zu schnell unterwegs gewesen sein soll. Das weise Amtsgericht entschied jedoch auf Freispruch. Sehr zurecht!

Fehlerfrei

Gerne werfe ich Richterinnen und Richtern vor, dass sie sich falsch entschieden haben. Wer aber anderen Fehler vorwirft, macht gerne auch selbst welche. Und selbstredend gilt das auch für mich:

Eines meiner größten Ärgernisse ist für mich oft die Voreingenommenheit bei Gericht. Ich erwarte, dass Richterinnen und Richter ergebnisoffen in eine Sitzung gehen. Leider viel zu oft ist das Gegenteil der Fall. Man erkennt bereits an dem Vernehmungsstil oder daran, wie unterschiedlich der Angeklagte oder die Zeugen angepackt werden, wohin die Reise gehen wird. Innerliches Umschwenken gerne mal ausgeschlossen.

Von Streiks und Haftbefehlen

Wenn von Streiks im öffentlichen Dienst die Rede ist, fällt mir immer wieder die Ausrede eines Richters ein, der einen Mandanten ohne Haftbefehl eingesperrt hat:

Gegen den (ausländischen) Mandanten wurde eine Anklage wegen einer relativen Kleinigkeit erhoben. Zur Hauptverhandlung erschien er gar nicht erst. Er war allerdings auch schon nicht mehr in Deutschland, sondern in sein Heimatland zurückgekehrt. Wenn jemand zu seiner eigenen Hauptverhandlung nicht erscheint, gibt es verschiedene Reaktionsmöglichkeiten:

1. Die Sache wird einfach auf ein neues Datum vertagt.

2. Man erlässt eine Strafe (einen sogenannten Strafbefehl), den der Angeklagte entweder akzeptieren kann oder innerhalb von 14 Tagen Einspruch einlegt, was zu einer neuen Verhandlung führt.

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