Freispruch für Kachelmann – recht so!

Der Kachelmann-Prozess endet (zunächst erstinstanzlich) mit einem Freispruch.

Meine eigene Weissagung ist damit zwar im Eimer, aber ich freue mich dennoch über diese Entscheidung. Es ist verdammt wichtig, dass die Unschuldsvermutung nicht unter die Räder kommt. Dieses Verfahren, so sehr es auch vom Boulevard beobachtet worden ist, hat durchaus Einfluß auf die tägliche Arbeit. Es ist einfach von vielen Juristen beobachtet worden. Meine große Sorge war, dass wenn hier trotz erheblicher Zweifel eine Verurteilung erfolgt wäre, die Unschuldsvermutung sich noch mehr in Luft aufgelöst hätte.

Jetzt bleibt zum einen abuwarten, ob die sich nicht gerade mit Ruhm beckleckernde Staatsanwaltschaft in Mannheim in Revision geht. Und dann, was mit der von ihr nahezu zerstörten Reputation des Angeklagten geschieht. Leider haften Staatsanwaltschaften für das von ihr angerichtete Unheil nur sehr eingeschränkt. Wie lange war Kachelmann hinter Gittern? 3 Monate? Da gibt es schonmal sagenhafte 25€ pro Tag. Das sind auf drei Monate hochgerechnet 2250€ Entschädigung. Der reine Wahnsinn. So viel kostet noch nicht mal ein Verhandlungstag der Verteidigung.

Aber um die Folgen schert sich die Justiz ohnehin nicht mehr…

6 Kommentare

  1. Uwe sagt:

    Danke für den Beitrag!
    Ich bin auch erleichtert und mein Glaube an unseren Rechtsstaat (den ich ja auch in gewisser Weise vertrete) ist nicht weiter zerstört worden.

  2. David04 sagt:

    Es gibt nur 25 Euro pro Tag in Haft? Nur 25 verfickte EURO für so viel seelische Grausamkeit?? WTF???

    • tommes04 sagt:

      Und jetzt rate mal, wie lange es schon 25€ gibt? Genau: Seit 2009! Vorher gab es unfassbare 11€ Schmerzensgeld für jeden Tag.

    • Jaaaa, EUR 25.00 ! Das aber erst seit einem Jahr (?). Vorher waren es EUR 11.00 ! Wie-auch-immer, das wird aber nicht ausbezahlt. Abgezogen hiervon wird ein Anteiliger Betrag von ÉUR XXX.XX für Kost und Logis. Das ist kein Witz !
      Für meine Unschuldshaft wären das ca. 20.000.-, minus Verpflegung für 910 Tage!
      Man kann meinen Namen anklicken. Aktuell ist der Beitrag: Gutachten der UNI-Erlangen (das Gutachten musste zurückgenommen werden………).

      • Ich will hier nicht die “topic” klauen, aber es stösst mir (wg. eigener Sache) immer wieder sauer auf, wenn ich “Haftentschädigung” höre. Es wäre demnach so, als wenn ein unschuldig eingesperrter, die Sache ‘los’ sei, sobald sich die Knasttüren öffnen. Wer immer ein Fehlurteil abgesessen hat, wird mir beipflichten. Ein Fehlurteil ist in der Psyche allgegenwärtig, bis es revidiert wird. Dabei ist es irrelevant, auf welcher Seite der Gefängnismauer man seinen Kopf zum schlafen legt.
        Ich mag Leute auch nicht, die was ausgefressen haben und dann aufgrund eines Verfahrensfehlers damit davonkommen. Aber in meinem Fall wurde ich tatgegenständlich, willkürlich und mittels (krimineller) Beweiswürdigung 910 Tage eingesperrt.

  3. [...] dieses Thema, das heute erwartungsgemäß die Blogs beherrscht hat (vgl. u.a. hier, hier, hier ). Sehr schön dazu der Beitrag von Prof. Müller im Beck-Blog zu den Lehren, die man aus dem [...]

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