Diese Abmahnanwälte. Ich bin genervt. Neuester Anlass für ein Ärgernis ist folgendes: Mandant wird wegen eines Porno-Downloads abgemahnt. Wir geben modifizierte Unterlassungserklärung ab und verhandeln die Gebühren herunter. Lange vor meiner Schmerzgrenze sagt die Mandantschaft, dass sie den mir noch lange nicht genug heruntergehandelten Betrag gerne zahlen möchten, um Ruhe zu haben. Ich kläre auf, dass die Gegenseite meines Erachtens nach noch zu viel fordert, aber kann schon verstehen, dass man keine Lust mehr auf den Streit hat. Die Zermürbungsstrategie ist ja auch letztlich Teil der Abmahnanwaltschaft, der ich mich ansonsten aber immer widersetze.
Wie dem auch sei – ich erkläre Einverständnis und wir vergleichen uns auf Zahlung der Summe X. Mandantschaft zahlt fristgerecht per Überweisung. Ich stelle meine Rechnung, die auch prompt bezahlt wird und die Sache ist erledigt.
Denkste!
Nach ein paar Monaten fängt die Gegenseite wieder an. Man biete einen Vergleich an, um die Sache vom Tisch zu kriegen. Ich antworte, dass die Sache längst den Tisch verlassen hätte, da Vergleich plus Zahlung. Nein, heisst es vom Gegenanwalt, es sei keine Zahlung festzustellen. Ich soll doch bitte Zahlung nachweisen. Da Fehler immer mal vorkommen, bitte ich die -natürlich wegen der neuerlichen Nachfrage wieder aufgeregten- Mandanten, mir den Überweisungsträger und Kontoauszug zukommen zu lassen. Ich überprüfe die Zahlungsdaten und alles stimmt. Das teile ich dem Gegenanwalt mit. Nein, keine Zahlung angekommen, heisst es. Ich schicke sogar widerwillig die Zahlungsbelege und es kehrt Ruhe ein.
Denkste!
Weitere paar Monate später geht es wieder von vorne los. “Um die Sache vom Tisch zu kriegen biete man einen Vergleich an…”. Jetzt weisst man darauf hin, dass man klagen würde. Außerdem verweise man auf eine Website, in denen auf die Fälle dieser Kanzlei und dieses Mandanten hingewiesen werde. Alle Fälle seien gewonnen worden. Wenn wir nicht den tollen Vergleich mitmachen würde, würde geklagt werden.
Mir reicht es aber inzwischen. Habe noch einmal mitgeteilt, dass man unsere letzten Schreiben bitte lesen solle. Außerdem wäre es super, so eine Website aufzuziehen, aber auch unbenommen, die verlorenen Fälle nicht gleicht mit zu veröffentlichen. Jedem das seine. Ich würde auch nicht unbedingt über Fälle bloggen, in denen ich Bockmist verzapft und mit Pauken und Trompeten untergegangen bin (als wenn es so etwas gäbe…). Man darf uns gerne verklagen. Alles weitere klären wir vor Gericht.
Doof ist nur, dass der Gegner aus England kommt. Den Prozess werden wir natürlich gewinnen, da die Sache längst “vom Tisch” ist. Aber die Prozesskosten in England zu vollstrecken, das dürfte wieder unfassbar nervig bis schwierig werden. Es sei denn, der Gegenanwalt haftet vielleicht dafür mit, weil er den Geldeingang nachhaltig verschweigt. Mal gucken, ob man diesen unkollegialen Weg einschlagen kann. Geladen genug bin ich dafür.
Vielleicht einfach mal zusätzlich Strafanzeige erstatten? Das hört sich doch schwer nach versuchtem Betrug an. Herrn Gravenreuth hatte diese Masche (“Zahlung nicht eingegangen”) ja auch nicht gut getan.
http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Freiherr_von_Gravenreuth#Verurteilungen
Ohne es näher geprüft zu haben, fiele mir als erstes eine Forderungspfändung bei der Anwaltskanzlei ein, die ja sicherlich auch reihenweise Vertragsstrafen etc. für ihre Mandantschaft beitreibt. ;-)
Eine gute Idee. Ich bin kein Freund von Strafanzeigen. Das aber hätte Charme.
Zuerst klagen, dann auf lis pendens art 27 EuGVVO verweisen.
Ich mag Ihren unaufgeregten Stil, aber “Jedem das seine”, dass ist so eine Phrase die ein aufgeklärter Anwalt nicht verwenden sollte.
Warum nicht?
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Buchenwald_Schild_Jedem_das_Seine.jpg
Tu nich als ob du das nicht weißt!
In der Tat muss ich eine Bildungslücke einräumen. Ich kannte nicht den Ursprung, respektive die mißbrauchende Verwendung des Spruchs. Wird aber im folgenden Leben berücksichtigt.
Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen. Bei Wikipedia gibt es mehr als ein Bild:
“Jedem das Seine, lateinisch suum cuique, ist seit antiken philosophischen Theorien der Moral und Politik ein für die Fassung von Begriffen des Rechts und der Gerechtigkeit, insb. der Verteilungsgerechtigkeit, vielfach ins Spiel gebrachtes Prinzip, das abstrakt besagt, dass jedem Bürger eines Gemeinwesens das zugeteilt wird (bzw. werden soll), was ihm gebührt, durch gerechte Güterverteilung etwa. Je nach praktischer bzw. politischer Theorie werden unterschiedliche Präzisierungen vorgeschlagen und wird der Status eines solchen Prinzips unterschiedlich bewertet. Im Konzentrationslager Buchenwald stand der Spruch, nach innen gerichtet, auf dem Haupttor.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Jedem_das_Seine
Die weitere Abhandlung beginnt dann folgerichtig im antiken Griechenland.
Ob Sie den Spruch nun benutzen oder nicht, bleibt Ihnen überlassen – sozusagen: Jedem das Seine.
Ich hatte gehofft, es käme eine andere Begründung als mangelnde sprachgeschichtliche Kenntnisse.
Daß Du auch nur so einer bist, der sich auch 67 Jahre “danach” noch von den Nazis die Sprache diktieren lassen will, hatte ich zwar geahnt, aber gewußt habe ich es tatsächlich nicht. Ich zumindest weigere mich, auf nützliche Redewendungen wie “Jedem das Seine” oder “Autobahn” zu verzichten. Aber – to each his own.
Darf man das wenigstens noch sagen? Wird eh viel öfter bei Google gefunden. Alles Nazis, diese Englischsprechenden.
Meine aufgeklärten Latein- und Griechischlehrer reagierten auf Äußerungen dieser Art ungehalten. Sie wollten eine ausschließliche Verbindung von “Jedem das Seine” mit dem Nationalsozialismus nicht hinnehmen. Nicht abzustreiten ist, dass sich zur Geschichte von “Jedem das Seine” weit mehr sagen lässt.
Anders als “Arbeit macht frei” ist die Redewendung “Jedem das Seine” nur unter Insider für den Bezug zum Nationalsozialismus bekannt. Wissen kann man das, muss man aber aus meiner Sicht nicht.
Als “Semitin” reagiere ich regelmäßig ungehalten, wenn im sprachlichen Kontext immer Bezüge zu vermeintlich antisemitischen Haltungen unterstellt werden. Unreflektierter Philosemitismus ist mir da nicht nur unsympathisch, sondern vor allem unheimlicher.