“Ohne Anwalt geht es schneller”

Der Tagesablauf im Leben eines Versicherungsfalls:

12 Uhr: Der zukünftige Mandant baut einen Verkehrsunfall. Die Schuld des Gegners ist relativ deutlich.

13 Uhr: Der Mandant lässt sein Fahrzeug von einem KfZ-Sachverständigen begutachten.

14 Uhr: Der Mandant sitzt in meinem Büro und beauftragt mich mit der Regulierung.

15 Uhr: Ich recherchiere die Versicherung des Gegners, rufe dort an und lasse mir die Daten, also die Schadennummer geben und hinterlasse mündlich meine Daten. Ein erstes Aufforderungsschreiben wird diktiert.

17.30 Uhr: Der Mandant bekommt einen Anruf von der Versicherung. Ihm wird gesagt, der Schaden könne schnell gezahlt werden. Er solle seine Kontonummer angeben. “Aber ich habe doch einen Anwalt eingeschaltet.” Dann würde es natürlich länger dauern mit der Regulierung seines Unfalls, heisst es. Und natürlich könne er sich überlegen, den Anwalt zurückzupfeifen. Der Mandant pfeift aber nicht, sondern winkt nur ab. In Richtung Versicherung.

Ich kann leider nicht mit letzter Sicherheit sagen, dass der Anrufer um 17.30 Uhr auch wirklich wusste, dass schon ein Anwalt mandatiert war. Es ist auch so ein starkes Stück, von Seiten eines Versicherungsunternehmens zu empfehlen, sich besser keinen Anwalt in der Auseinandersetzung mit eben diesem Unternehmen zu nehmen. Wenn aber schon bekannt war -und dafür spricht der Zeitablauf und der Umstand, dass nahezu alle Versicherer mit der elektronischen Akte arbeiten und damit sehen dürften, wie die Vertretungsverhältnisse so sind-, dass schon ein Anwalt im Rennen war, dem Unfallgeschädigten zu empfehlen, den Anwalt wieder abzuschießen, dann bewegt sich die Versicherung auf sehr dünnem Eis. Deshalb will ich das süddeutsche Unternehmen auch noch nicht benennen, sondern will zunächst deren Stellungnahme auf meine Nachfrage abwarten. Die ich mit der Erwartung versehen habe, dass hier trotz eines Anwalts rasch reguliert werde, so wie es anscheinend möglich ist. Und nach der Regulierung, so sie denn zügig erfolgt, sehen wir mal weiter. Denn es wird sich ja nicht um die tumbe Idee eines einzelnen Sachbearbeiters der Versicherung handeln, sondern um eine Anweisung von oben, um bestimmte Kosten zu sparen. Die des Anwalts, den die Versicherung in solchen Fällen immer zahlen muss und die Kosten, die dadurch entstehen, dass man den Unfall nicht vollständig reguliert, da ein nicht anwaltlich vertretener Mandant nicht immer weiß, was ihm alles zusteht.

Auch so arbeiten Versicherungen.

5 Kommentare

  1. Insurator sagt:

    So arbeiten Verischerungen immer.

    Wäre es nicht so, wären unsere Beiträge doppelt so hoch.

  2. gogogruftinr1 sagt:

    Hust *süddeutsche Versicherung* hust *Allianz* hust

    • Thomas Wings sagt:

      Treffer nicht versenkt. Gibt noch andere süddeutsche ;-)

      • ThorstenV sagt:

        Coburg liegt zwar nicht sehr südlich, aber immerhin noch in Bayern, obwohl historisch eher zu Sachsen gehörig. So ganz klar ist mir aber nicht, worauf sich stützt, dass es auch noch dann ein starkes Stück ist, von der Mandatierung abzuraten, wenn noch gar nicht sicher davon ausgegangen werden kann, dass diese schon erfolgt war. Aber man muss natürlich auch nicht alles verstehen, was auf Schalke zu Emotionsausbrüchen führt ;).

  3. Carlito sagt:

    Starkes Stück, so oder so, wie auch ich finde. Bin auf die Reaktion gespannt, erwarte aber nichts bahnbrechendes, außer das man vermutlich sagen wird, dass da entweder ein Missverständnis vorliegt oder ein kleiner Indianer (aus (vorgeschobener) Sicht seiner Häuptlinge) über das Ziel hinaus geschossen ist.

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